Schweizer Berufsmeisterschaften 2014

Im September 2014 werden in Bern die ersten Schweizer Berufsmeisterschaften stattfinden. Dabei treffen sich junge Berufsleute aus Gewerbe und Industrie und erstmals auch aus Dienstleistungsberufen zum Spitzensport-Event. Christoph Erb ist Präsident von Swissskills Bern 2014.

Christoph Erb

"Schaue ich mich unter Leuten meines Jahrgangs um, finde ich erfolgreiche Menschen, die mit einer Berufslehre gestartet sind. Das gilt nicht für alle, die noch im Gymnasium mit Spitzennoten glänzten."

Christoph Erb, Präsident SwissSkills Bern 2014

Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit keine Berufslehre absolviert?

Damals galt eine akademische Ausbildung als beste Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn. Effektiv war es bereits damals nicht ganz so. Schaue ich mich unter Leuten meines Jahrgangs um, finde ich erfolgreiche Menschen, die mit einer Berufslehre gestartet sind. Das gilt nicht für alle, die noch im Gymnasium mit Spitzennoten glänzten. Dank vielfältigen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten ist heute jede Berufslehre ein erstklassiger Einstieg in eine erfolgreiche berufliche Laufbahn.

SwissSkills Bern 2014 - Was darf man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Im September 2014 werden in Bern die ersten zentralen Berufsmeisterschaften und praktischen Berufsdemonstrationen mit 130 Berufen durchgeführt. Der Anlass trägt den Titel «SwissSkills Bern 2014». An diesem Anlass wird einer breiten Öffentlichkeit gezeigt, dass die Berufsbildung interessant ist und ausgezeichnete Chancen bietet. Wörtlich übersetzt heisst das Wort «Skills» Fähigkeiten, Fertigkeiten sowie (schon wieder ein Fremdwort) Kompetenzen und noch viel mehr. Wenn Sie mir ein deutsches Wort vorschlagen können, das das alles auf einmal ausdrückt, lade ich Sie gerne zu einem feinen Nachtessen ein. Der Begriff «Skills» wird seit Jahrzehnten im Zusammenhang mit Berufsmeisterschaften verwendet. Die Weltmeisterschaften, die 1997 und 2003 in der Schweiz, in St. Gallen, ausgetragen worden sind, heissen WorldSkills. Diesen Sommer finden in Leipzig die WorldSkills 2013 statt, an welcher die Schweiz mit rund 40 Berufen vertreten sein wird.

Welche Breiten- und Tiefenwirkung für die Berufsbildung erhoffen Sie sich vom Anlass?

Unsere Hauptzielgruppen sind Schulabgängerinnen und Schulabgänger ab der Sekundarstufe I, ihre Lehrkräfte, Eltern und weiteren Personen, die ihre Berufswahlentscheidung beeinflussen können. Wir wollen aber auch, dass unsere Hauptbotschaften in einer breiten Öffentlichkeit und damit auch in der Politik eindrücklich wahrgenommen werden.

Erstmals werden auch Berufe aus dem Gesundheits- und sozialen Bereich am Wettbewerb oder als Berufsdemonstration teilnehmen. Was sind die Hintergründe dazu?

Mit der Präsentation der Schweizermeisterschaften anlässlich der SwissSkills 2014 bietet sich die Möglichkeit, einem grösseren Publikum einen Einblick in den attraktiven Beruf der Fachfrau Gesundheit, des Fachmannes Gesundheit zu geben. Auch die Ausbildnerinnen, Ausbildner und die Lernenden profitieren. Messen bedeutet immer auch vergleichen, zudem wird die Identität des noch jungen Berufes gestärkt.

Jährlich werden im Gesundheitsbereich mehr als 3000 Abschlussprüfungen bei Fachfrauen und Fachmännern Gesundheit durchgeführt, der Wettbewerb an den SwissSkills Bern 2014 wird in ähnlicher Art und Weise durchgeführt. Nur werden an diesem Anlass die Besten der Besten gesucht! Gemessen wird, wie gut die Kandidatinnen und Kandidaten eine typische Alltagssituation aus dem Berufsalltag einer Fachfrau Gesundheit meistern. Bewertet werden dabei unter anderem inwieweit die Kandidatinnen und Kandidaten über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. So werden ganz konkrete Handlungen sichtbar; z. B. Mobilisation, einfache Körperpflege, Ernährung, Medizinaltechnik, Medikamente verabreichen oder Ressourcenerhaltung. Eine Wettbewerbssequenz dauert ca. 2 ½ Stunden.

Welche Rolle können Berufslernende und Lehrpersonen an Berufsschulen bei SwissSkills spielen?

SwissSkills Bern 2014 soll ein eindrückliches Schaufenster für die Berufsbildung werden. Wir wollen ein Fest für die Berufsbildung veranstalten. Da ist es wichtig, dass auch möglichst viele Berufslernende mit ihren Lehrpersonen kommen. Das verhilft zu einer grossen Präsenz in der Öffentlichkeit und stärkt das Selbstvertrauen der Berufsbildung. Der Anlass ist aber auch eine gute Gelegenheit, um sich über verschiedene Berufe und die weiteren Karrieremöglichkeiten zu informieren.

Wir erwarten bis zu 3'600 Schulklassen. Alle Volksschulen in der Schweiz werden demnächst einen Terminstopper erhalten. Detailinformationen erfolgen zu Beginn des nächsten Schuljahres, also nach den Sommerferien.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Die Berufsbildung ist praxisnah. Sie ist stärker geprägt von Erfahrungen und aktuellen Gegebenheiten als von den Ansprüchen, denen sie künftig genügen muss. Kurz- und mittelfristig bringt das gute Resultate, was nicht automatisch heisst, dass rechtzeitig auf kommende Herausforderungen richtig reagiert wird.

12.06.2013

Kontakt

Christoph Erb christoph.erb@bernerkmu.ch

Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch gallus.zahno@educa.ch

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.02.2016

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