Lehrling des Jahres

Jedes Jahr wählt der Gewerbeverband Basel-Stadt den "Lehrling des Jahres". Reto Baumgartner, Bereichsleiter Berufsbildung, schreibt über die Zielsetzung und Hintergründe dieses Wettbewerbs zur Förderung des Images der Berufsbildung.

Reto Baumgartner

"Die Jugendlichen stehen am Abschlussevent im Mittelpunkt und sie geniessen das. Sie treten als «BotschafterInnen» für ihren Beruf und die berufliche Grundbildung auf und tragen dies auch weiter."

Reto Baumgartner, Bereichsleiter Berufsbildung Gewerbeverband Basel-Stadt

Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?

Nun ich habe mich bis kurz vor dem Schulabschluss nicht mit dem Thema beschäftigt... Kurzfristig habe ich mich für eine KV-Lehre entschieden, als gute Basis für die Zukunft und im Unwissen um Alternativen. Im Nachhinein hat sich dies jedoch als guter Entscheid erwiesen.

Der Gewerbeverband Basel-Stadt wählt jedes Jahr einen 'Lehrling des Jahres'. Was ist dabei Ihre Zielsetzung?

Zusammen mit unseren Partnern der Basler Zeitung sowie Migros Kulturprozent möchten wir den vielen jungen und begabten Jugendlichen in der Berufsbildung eine Plattform bieten. Sie sollen ihre Talente unter Beweis stellen können und sich mit anderen begabten, motivierten und leistungsbereiten Lehrlingen berufsübergreifend messen können. Auch die Ausbildungsbetriebe erhalten eine Marketing-Plattform und die berufliche Grundbildung wird über die Medien in einem positiven Licht gezeigt.

Wie kommen Sie zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den Wettbewerb?

Wir machen alle Ausbildungsbetriebe in Basel-Stadt schriftlich darauf aufmerksam. Zusätzlich verschicken wir Plakate an alle Berufsfachschulen in der Basel-Stadt und Basel-Landschaft und inserieren in der Tageszeitung. Die Erfahrung zeigt, dass die Ausbildungsbetriebe vielfach die Lehrlinge zur Teilnahme motivieren. Für eine definitive Anmeldung braucht es ein Empfehlungsschreiben des Ausbildungsbetriebes, ein Motivationsschreiben des Lehrlings, ein Foto am Arbeitsplatz mit dem Berufsbildner/ der Berufsbildnerin sowie eine Kopie des aktuellen Zeugnisses der Berufsfachschule.

Welche Disziplinen haben die Finalisten zu bestreiten?

Am Contest-Tag treffen sich alle 12 Finalisten und bestreiten die folgenden Posten: Bildung und Wissen (Fragen zur Allgemeinbildung und regionales Wissen), Berufung und Leidenschaft (Vorstellung des eigenen Berufes und Motivation dazu), Hand und Kopf (Kreativität), News und Nerven (Umgang mit Medien), Strategie und Kniff (logisches Denken), Mensch und Umwelt (Ökologische Kenntnisse), Team und Tempo (2er Aufgabe auf Zeit) sowie Sozial und Kompetenz (Gruppenaufgabe zu 6). Anschliessend läuft auf dem Internet ein Online-Voting, bei welchem möglichst viele Stimmen gesammelt werden. Der Abschluss macht an der Schlussveranstaltung vor über 300 Gästen das beliebte Spiel „Montagsmaler“, bei welchem Berufe gezeichnet und erraten werden müssen. Wer von den 12 Finalisten im Durchschnitt bei den zehn verschiedenen Posten am besten abgeschnitten hat, ist Lehrling des Jahres! In den letzten Jahren haben sich immer würdige Sieger und Siegerinnen herauskristallisiert, welche als Persönlichkeiten herausstechen und ihren Beruf mit viel Herzblut ausüben.

Contest, Online-Voting, Show... Sie tragen dick auf beim Finale...

Die Rückmeldungen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Lehrlinge, die Ausbildungsbetriebe und auch die Gäste an der Preisverleihung sind begeistert. Wir zeigen auf, dass wir tolle junge Menschen in der Berufsbildung haben, welche ihren Beruf mit Berufung ausüben. Die Jugendlichen stehen am Abschlussevent im Mittelpunkt und sie geniessen das. Sie treten als „BotschafterInnen“ für ihren Beruf und die berufliche Grundbildung auf und tragen dies auch weiter. Die vielen positiven Medienberichte tragen zu einem guten Image der Berufsbildung bei.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Wir müssen die Möglichkeiten der beruflichen Grundbildungen in Zukunft noch besser an die Jugendlichen, deren Eltern und die Lehrpersonen weitergeben. Weiter nimmt die Komplexität in der beruflichen Grundbildung zu. Das beginnt mit einer uneinheitlichen Namensgebung der EBA-Berufe (-angestellte/r, -assistent/in, -praktikerIn), zieht sich über die Berufsbezeichnungen (was macht ein PolydesignerIn 3 D?) und geht bis zu zunehmend komplexen Abschlussprüfungen (bsp. Notengebungen aus überbetrieblichen Kursen und Ausbildungsbetrieben). Für die Zukunft ist es wichtig, diese Komplexität wieder zu vereinfachen und zu einem „einfachen“ und verständlichen System zurückzufinden, welches in der Bevölkerung verstanden wird. Die berufliche Grundbildung muss als gleichwertig wahrgenommen werden, denn sie ist es auch!

15.02.2013

Kontakt

Reto Baumgartner r.baumgartner@gewerbe-basel.ch

Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch gallus.zahno@educa.ch

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.02.2016

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