Titel für die höhere Berufsbildung

Die höhere Berufsbildung in der Schweiz ist sehr erfolgreich, deren Abschlüsse sind aber gleichzeitig zu wenig bekannt. Nationalrat Matthias Aebischer fordert Titel für die höhere Berufsbildung, die auch international vergleichbar sind.

Matthias Aebischer

"Noch schlimmer ist der Fakt, dass die ausländischen HR-Chefs in der Schweiz die hiesigen Berufstitel nur ungenügend kennen. Der Schweizer zieht somit oft auch im eigenen Land den Kürzeren."

Matthias Aebischer, Nationalrat (SP)

Herr Aebischer, weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?

Ich musste mich im Jahre 1982 zwischen einer Hochbauzeichner-Lehre und dem Staatlichen Seminar entscheiden. Mit dem Lehrerseminar hatte ich auch die Möglichkeit, an die Uni zu gehen. Dies war ausschlaggebend für meinen Entscheid.

Sie haben im Parlament einen Vorstoss eingereicht, in dem Sie zeitgemässe Titelbezeichnungen für die höhere Berufsbildung verlangen. Weshalb?

Nicht zuletzt wegen meinen Erfahrungen, welche ich vor 32 Jahren gemacht habe. Die Berufsbildung muss punkto Image und somit auch Titel dem Tertiär-A-Sektor ebenbürtig sein. Ein Professional Bachelor oder ein Professional Master wertet den Tertiär-B-Sektor klar auf. Es kann nicht sein, dass die besten Berufsleute der Welt ausserhalb des Landes keine Stelle finden, nur weil sie nicht den richtigen Titel haben. Noch schlimmer ist der Fakt, dass die ausländischen HR-Chefs in der Schweiz die hiesigen Berufstitel nur ungenügend kennen. Der Schweizer zieht somit oft auch im eigenen Land den Kürzeren. Das darf nicht sein.

Sind Professional Bachelor und Professional Master die richtigen Titel für ihr Anliegen?

Ja klar. Ein Bäcker in Italien hat zwar einen Bachelor im Sack aber längst nicht so viel Erfahrung wie ein gelernter Schweizer Bäcker. Mit seinem Bachelor wird er in der EU jedoch überall dem Schweizer vorgezogen. Da stimmt doch etwas nicht, oder?

Wie sehen Sie Ihren Vorstoss im Vergleich mit akademischen Titeln von Fachhochschulen und Universitäten?

Ich will, und das ist ganz wichtig, keine Vermischung des Tertiär-B-Sektors mit dem Tertiär-A-Sektor. Das war die Grundbedingung des Gewerbeverbandes, damit er mich unterstützt. Die Unterstützung ist übrigens sehr breit. 72 Personen aus allen Parteien haben meinen Vorstoss unterschrieben.

Wie kann die höhere Berufsbildung auch noch gefördert werden?

Es läuft viel zur Zeit. Ein weiterer Vorstoss von mir betrifft die Finanzierung der Vorbereitungskurse im Tertiär-B-Sektor, also Kurse, die auf eine Berufsprüfung oder eine höhere Fachprüfung vorbereiten. Diese kosten oft mehrere Zehntausend Franken. An den Unis und Fachhochschulen wird fast alles vom Staat bezahlt. Das müssen wir fairer gestalten.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Wir müssen unbedingt dafür kämpfen, dass auch künftig eine Mehrheit der Jugendlichen eine Berufslehre absolviert. Viele Länder kopieren das Schweizer Bildungssystem und versuchen an unser Level heranzukommen. Es wäre ein Anachronismus, wenn wir uns gleichzeitig von unserem Erfolgssystem entfernen würden.

16.05.2014

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Matthias Aebischer matthias.aebischer@parl.ch

Die Fragen stelle Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa gallus.zahno@educa.ch

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.05.2016

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