Abstimmungsvideos für Berufslernende

Der pensionierte Berufsschullehrer Bruno Wamister produziert Erklärvideos zu den eidgenössischen Abstimmungen. Sein Ziel ist es, damit einen Beitrag zur politischen Bildung von Berufslernenden zu machen.

Bruno Wamister

"Meine YouTube Video-Clips sollen in wenigen Minuten den Ablauf, den Inhalt sowie die Meinungen unserer politischen Institutionen zu einer Abstimmungsvorlage aufzeigen."

Bruno Wamister, Berufsschullehrer und Autor von Abstimmungsvideos

Weshalb haben Sie nach der obligatorischen Schulzeit (k)eine Berufslehre absolviert?

Mein grosses Hobby während der Schulzeit in den 60er Jahren war das innovative Umfeld der Elektronik. Der Selbstbau von Radioempfängern, Verstärkern, Alarm- und Gegensprechanlagen faszinierten mich derart, dass es für mich keine Alternative zum Beruf des FEAM (Fernmelde- und Elektronikapparatemonteur) gab.

Sie produzieren Videos zu eidgenössischen Abstimmungen. Was ist Ihre Motivation dazu?

Als Berufsschullehrer und in meiner Funktion als Leiter des Ressorts E-Learning habe ich erfahren, wie gut bei Jugendlichen kurze Video-Clips ankommen und wie nachhaltig deren Wirkung sein kann. Viele Berufslernende sind politisch interessiert, sie finden jedoch oft in ihrem hektischen Umfeld zu wenig Zeit, um sich Detailkenntnisse über Abstimmungen zu verschaffen. Meine YouTube Video-Clips sollen in wenigen Minuten den Ablauf, den Inhalt sowie die Meinungen unserer politischen Institutionen zu einer Abstimmungsvorlage aufzeigen. Natürlich faszinieren mich auch die heute zur Verfügung stehenden multimedialen Werkzeuge, mit denen sich komplexe Zusammenhänge übersichtlich und anschaulich darstellen lassen. Der Aufwand zum Erstellen eines solchen Videos ist zwar enorm, dank einer Plattform wie YouTube können davon aber auch sehr viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger profitieren.

Braucht es denn neben den offiziellen Abstimmungsunterlagen des Bundes und dem Abstimmungskampf in den Medien noch eine weitere Informationsplattform?

In ‚20-Minuten‘ kann ich zwar lesen, wie sich beispielsweise die Herren Blocher und Minder bei einem Podiumsgespräch zum Thema ‚Abzockerinitiative‘ nichts geschenkt haben und dass der Herr Vasella wirklich ein Abzocker sei. Aber was genau will denn diese Initiative? Wenn ich die Zusammenfassungen in den Medien verpasse und mir die offizielle Abstimmungsbotschaft zu umfassend ist, kann ich mich nun auf YouTube informieren. Meine Beiträge auf YouTube sind mit dem Suchbegriff ‚Eidg. Abstimmungen‘ leicht zu finden und können in einem günstigen Zeitpunkt - auch unterwegs mit dem Smartphone - konsumiert werden. Ich bemühe mich, auch den Ablauf einer Abstimmungsvorlage aufzuzeigen, damit unseren jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Begriffe wie Volksinitative, parlamentarische Initiative, indirekter Gegenvorschlag, fakultatives Referendum usw. verstehen lernen.

Ein wichtiges Kriterium für den Erfolg scheint mir die neutrale Haltung zu den Sachthemen zu sein. Wie gehen Sie diesbezüglich vor?

Ich versuche, mich an der Haltung von Bundesrat und Parlament zu orientieren und aufzuzeigen, welche Pro und Contras die wichtigsten Parteien zu einer Vorlage vertreten. Natürlich fällt es mir dabei nicht immer leicht, neutral zu bleiben - auch ich habe ja meine persönlichen Ansichten zu den verschiedenen Vorlagen.

Welche Schritte machen Sie, wenn Sie ein Video planen?

Meine Planung beginnt auch bei einem Video-Clip auf dem Papier. Ich versuche immer einen ähnlichen Ablauf einzuhalten. Für Sachinformationen und Bilder rund um das Bundeshaus stütze ich mich auf die umfassenden Informationen der Internetseite www.parlament.ch. Viele Bilder nehme ich selber auf, entwerfe sie auf dem PC oder hole sie aus Freeware-Bibliotheken im Internet. Die Video-Clips erstelle ich anschliessend mit PowerPoint. Ein spezielles Programm liest mir geschriebene Kommentare vor und erstellt davon Audio-Dateien, welche sich in PowerPoint einbinden lassen. PowerPoint kann aus Präsentationen auch Videos erstellen, die ohne weitere Bearbeitung auf YouTube abgelegt werden können.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen für das Schweizerische System der Berufsbildung?

Ich bin überzeugt, dass das schweizerische System der Berufslehre mit Anpassungen auch in Zukunft bestehen bleibt. Für einige Berufsrichtungen wird sich jedoch der Trend weg von der herkömmlichen Meisterlehre, hin zu einer Lehre in einer Lehrwerkstätte fortsetzen. Die öffentliche Hand wird bei diesem System vermehrt Kosten übernehmen müssen. Bei typischen handwerklichen Berufen wie Zimmermann, Schreiner, Heizungsmonteur, Maurer, Bäcker usw. werden uns bereits in naher Zukunft Berufsleute fehlen. Gerade in diesen Bereichen bietet sich jedoch die Möglichkeit, nach einer abgeschlossenen Ausbildung selbständig zu arbeiten oder einen eigenen Kleinbetrieb zu führen. Hier wird auch in Zukunft gelten: „Handwerk hat goldenen Boden“.

02.04.2013

Kontakt

Bruno Wamister bruno@wamister.ch

Die Fragen stellte Gallus Zahno, Redaktor Berufsbildung educa.ch gallus.zahno@educa.ch

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16.02.2016

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